Millionen Flüchtlinge: Diese Prognosen veröffentlicht die Regierung nicht

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Diese Prognosen veröffentlicht die Regierung nicht

Wie viele Flüchtlinge werden noch kommen? Diese Frage stellen sich besonders die Kommunen, die für die Unterbringung von Migranten zuständig sind.

 

Die Bundesregierung veröffentlicht keine Prognosen

 

Allerdings rechnet sie intern einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge mit einer Gesamtzahl von 3,6 Millionen Flüchtlingen bis 2020. Das gehe aus Prognosen des Wirtschaftsministeriums hervor, die innerhalb der Regierung abgestimmt seien, schreibt die Zeitung in ihrer Donnerstagausgabe.

 

Jedes Jahr werde demnach eine halbe Million Menschen kommen. Nach der Prognose wird damit gerechnet, dass diese Zahl jedes Jahr von 2016 bis 2020 erreicht wird - wobei die jährliche Zahl schwanken könne. Das wären 2,5 Millionen weitere Flüchtlinge - zusammen mit den 1,1 Millionen aus dem Jahr 2015 ergibt sich die Zahl von 3,6 Millionen.

 

Das Wirtschaftsministerium bestätigte diese Prognose. Es wies jedoch darauf hin, dass es zur Projektion der wirtschaftlichen Entwicklung "intern eine rein technische Annahme für die Zuwanderung getroffen und innerhalb der Bundesregierung ressortabgestimmt" habe. Es sei aber gegenwärtig nicht möglich, den Flüchtlingszustrom seriös vorherzusagen.

 

Schon in anderen Berichten war von einer halben Million pro Jahr die Rede. Die Bundesregierung rechnet für das Jahr 2016 offenbar mit rund 500.000 Flüchtlingen. Das ist zumindest die Zahl, die laut einem Bericht der "Rheinischen Post" dem Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Frank-Jürgen Weise, für das laufende Jahr vorgelegt wurde.

 

Das Innenministerium gab Weise die Zahl als Richtgröße vor.Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) habe dem Behördenleiter die Vorgabe gemacht, das Bundesamt auf diese Flüchtlingszahl auszurichten. Das Bundesinnenministerium erklärte zwar später, es gebe keine entsprechende Vorgabe des Ministeriums an das Bamf.

 

Allerdings warnen Forscher vor genauen Prognosen. Der Migrationsforscher Jochen Oltmer von der Universität Osnabrück zum Beispiel lehnt es ab, konkrete Flüchtlingszahlen für das laufende Jahr zu nennen und so "Beruhigungspillen" verteilen zu wollen. Oltmer sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Letztlich bedeuten solche Zahlen nicht viel, wie wir aus dem vergangenen Jahr wissen."

 

Der Flüchtlings-Experte betonte: "Wir wissen bis heute nicht einmal, wie viele Menschen 2015 in die Bundesrepublik gekommen sind." Die Zahl von 1,1 Millionen Flüchtlingen, die 2015 eingereist seien sollen, ist nur eine Schätzung.

 

Benjamin Prüfer

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