"Ihr rettet die Falschen": Top-Ökonom attackiert Merkels Flüchtlingskurs

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Top-Ökonom attackiert Merkels Flüchtlingskurs

Beißende Kritik an der Kanzlerin. Der britische Entwicklungsökonom Paul Collier findet: Kanzlerin Angela Merkel ist für die Asylkrise verantwortlich.

Der britische Entwicklungsökonom Paul Collier fiel schon öfter mit seiner schonungslosen Kritik an der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin auf. Merkel habe niemanden gerettet, sondern "Tote auf dem Gewissen", sagte er der "Welt". Seiner Meinung nach ist die Kanzlerin für die Asylkrise verantwortlich.

Jetzt konkretisiert er seine Kritik. 
Er sieht in der Diskussion in Deutschland eine Schwarz-Weißmalerei, welche die Suche nach Lösungen erschwert. "Die heilige Merkel gegen die Rassisten. Ich halte das für diffamierend", sagte der Professor der Universität Oxford der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Flüchtlinge nach Deutschland einzuladen, sei ein "kolossaler Fehler" gewesen. "Zumal sie vorher offensichtlich überhaupt keine Vorbereitungen getroffen hatte, um den daraus resultierenden Ansturm zu bewältigen."

Diese vier Aspekte kritisierte er an der Politik der Kanzlerin:

1. Merkel fördere das Geschäft der Schlepper und gefährde Menschenleben

Collier sagt, Merkel Politik sei "moralisch verwerflich", da sie Menschenleben gefährde. Sie habe die Menschen "quasi aufgefordert, nach Europa zu schwimmen". Das sei so gut wie russisches Roulette: "Such dir einen Schlepper, und hoffe, dass dein Boot nicht untergeht", spottet Collier.

2. Sie hilft den Starken und überlässt die Schwachen sich selbst

Jetzt helfe Deutschland vor den Falschen. Statt Familien, Frauen und Kranke zu schützen, würden vor allem junge, kräftige Männer unterstütz - "wohlhabend genug, um Tausende von Euro an Schlepper zu zahlen". Es entscheide dabei einzig das Recht des Stärkeren: "Wer nicht unterwegs ertrinkt, darf bleiben."

Hinzu komme, dass diese Männer beim Wiederaufbau etwa in Syrien "schmerzlich fehlen werden". Schließlich hätten sie "alles verkauft, um nach Europa zu kommen".

3. Der Flüchtlingsstrom untergrabe den Zusammenhalt in der Gesellschaft

Merkels Politik wird zu großen Problemen für die deutsche Gesellschaft führen, so Collier. "Bevor Angela Merkel eine Heilige sein wollte, hat sie die Multikulti-Gesellschaft in Deutschland als gescheitert bezeichnet. Ich sehe nicht, warum sich das auf einmal geändert haben sollte."

Ein anhaltender Flüchtlingszustrom würde nämlich auch den klassenübergreifenden Zusammenhalt unter den Einheimischen gefährden, erklärt der Professor. "Es gibt klare Anzeichen dafür, dass die Solidarität in Gesellschaften mit hohem Einwandereranteil rapide abnimmt."

Ein Kollege habe das "erst kürzlich wieder für europäische Länder festgestellt." Die Erklärung hierfür ist Collier zufolge einfach: "Die Reichen betrachten die Armen dann als eine Gruppe, mit der sie nichts gemeinsam haben und der sie nicht mehr durch Umverteilung helfen wollen." Es sei das "Wunder des Nationalstaats", dass er eine gemeinsame Identität schaffe, die "Solidarität ermöglicht". Zu viel Einwanderung gefährde dieses Arrangement jedoch.

4. Europa vernachlässigt Länder, die Flüchtlingen im Nahen Osten helfen

Collier würde einen anderen Weg einschlagen: Europa habe die Verantwortung, Staaten wie dem Libanon und Jordanien zu helfen. Diesen Ländern, die eine noch viel größere Zahl von Flüchtlingen aufnehmen, dürfe kein finanzieller Nachteil entstehen. Konkret bedeute das "Geld verteilen, Investitionen tätigen, Arbeitsplätze schaffen und den europäischen Markt für die Produkte dieser Länder öffnen".

Hoffnung, dass Europa einen solchen Weg einschlagen könnte, macht sich Collier kaum. "Deutschland hat die Hilfen für Jordanien vor zwei Jahren sogar halbiert“, sagt er.

Er präsentiert auch einen Vorschlag. Dieser entspricht weitgehende der Forderung, ausgewählte Flüchtlinge mit Kontingenten nach Europa einreisen zu lassen. Wenn Merkel wirklich eine große Zahl von Flüchtlingen in Deutschland in Sicherheit bringen wolle, "dann sollte sie Flüge aus den Lagern in Jordanien und dem Libanon organisieren. Und zwar für diejenigen, die es am nötigsten haben", erklärt Collier.

 

Benjamin Prüfer

 

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