Brand in Flüchtlingsunterkunft: Gaffer jubeln und behindern Feuerwehr

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Gaffer jubeln und behindern Feuerwehr

Beinahe täglich erreichen uns Nachrichten wie diese: Im sächsischen Bautzen ist in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in der Nacht von Samstag auf diesen Sonntag ein Feuer ausgebrochen.

Ermittler gehen derzeit von Brandstiftung aus. Das sagte der Leiter des für Extremismus zuständigen Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der sächsischen Polizei und Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz. Die Untersuchungen liefen aber noch. Einen Tatverdacht gebe es bisher nicht. Es werde in „jede Richtung“ ermittelt, betonte Merbitz, der vor Ort in Bautzen war.

 

Die Nachricht an sich wäre schon schockierend genug. Allerdings haben einige Leute noch eins draufgesetzt: Die Polizei berichtet von alkoholisierten Schaulustigen, die den Brand mit "abfälligen Bemerkungen oder unverhohlener Freude" kommentiert hätten. Die Nachrichtenseite"Mopo 24" meldet, dass unter den Jubelnden sogar Kinder gewesen seien. Außerdem hätten die Schaulustigen Flüchtlinge auch noch rassistisch beschimpft.

 

Die Polizei erteilte Platzverweise für drei Männer, die die Arbeit der Feuerwehr massiv behindert hätten, hieß es weiter.

 

Verletzt wurde bei dem Brand laut aktuellem Ermittlungsstand niemand.

 

Erst diese Woche hatte ein sächsisches Dorf durch offene Fremdenfeindlichkeit auf sich aufmerksam gemacht. Ein Video, das einen wütenden Mob im sächsischen Clausnitz zeigte, der eine Gruppe Flüchtlinge offen bedrohte, schockierte das Internet - und sorgt aktuell für hitzige Debatten in der Politik.

 

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat die fremdenfeindlichen Vorfälle in Clausnitz und Bautzen als "widerlich und abscheulich" bezeichnet. Die Vorfälle seien erschreckend und schockierend zugleich, sagte Tillich am Sonntag den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher."

 

Die Strafverfolgungsbehörden würden konsequent ermitteln und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Solche Taten besudelten "das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens".

 

Auch der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte die Vorfälle in Bautzen scharf. "Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass mehrere betrunkene Bautzener vor Ort pöbelten", sagte Ulbig der Deutschen Presse-Agentur. Es sei "unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird", fügte er hinzu. "Wir stehen vor einer großen gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, diesen Hass aus den Köpfen der Menschen zu bekommen."

ck/dpa

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