Astrophysik: Münchner Astrophysiker: „Zeitreisen in die Vergangenheit sind möglich"

HD SD
Münchner Astrophysiker: „Zeitreisen in die Vergangenheit sind möglich

Ein Münchner Forscher hat etwas herausgefunden, das alles ändern könnte. Demnach sind nicht nur Zeitreisen in die Zukunft, sondern auch in die Vergangenheit möglich.

Von Tobias Lill

So war lange Zeit der Stand der Forschung. Von wegen. Andreas Müller, Astrophysiker an der Technischen Universiät München, erläutert im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“: „In die Vergangenheit könnte man nur über sogenannte Wurmlöcher reisen.“

"Die Gravitation nutzen"

Müller ist Autor das Buchs "Zeitreisen und Zeitmaschinen. Heute Morgen war ich noch gestern". Er erläutert: „Ich veranschauliche das immer so: Wenn sie von A nach B wollen, müssen sie eine gewisse Strecke zurücklegen. Ich zeichne das mal auf ein Blatt Papier: A und B und ein Strich dazwischen."

Diese Strecke wäre der lange Weg von A nach B. „Ich könnte aber auch eine Abkürzung nehmen, und zwar wenn ich nun das Blatt falte, mit einem Bleistift ein Loch in A bohre und mit der Bleistiftspitze bei B wieder herauskomme." Der Weg entlang des Bleistifts sei viel schneller. "Das wäre eine Abkürzung durch Raum und Zeit, ein Wurmloch.“

Doch der Astrophysiker benennt ein Problem: Bislang hat noch niemand die Existenz von Wurmlöchern bewiesen. Der Eingang eines solchen Lochs wäre ein Schwarzes Loch im Universum und der Ausgang ein weißes Loch.

Eindeutiger ist dagegen der Forschungsgegenstand bei einer anderen Form von Zeitreisen. „In die Zukunft könnte man reisen, wenn man eine sehr hohe Geschwindigkeit – nahe der Lichtgeschwindigkeit – erreichen würde.“ Und dies sei nicht die einzige theoretische Möglichkeit, sich in eine entfernte Zeit zu begeben: Man könne auch „die Gravitation einer Masse nutzen“, um an einen bestimmten Punkt in der Zukunft zu gelangen.

Der Atom-Uhren-Test

Dass Reisen in die Zukunft zumindest theoretisch möglich seien, hatten Müller zufolge zwei Forscher bereits 1971 bewiesen: Beim sogenannten Hafele-Keating-Experiment hatten beide eine Atomuhr auf die Erdoberfläche gestellt. Mit einer zweiten Atomuhr, die auf genau die gleiche Zeit eingestellt war, hatten sie im Linienflugzeug die Erde umkreist. Als sie wieder zur Uhr auf der Erdoberfläche zurückkehrten, zeigte die mitgereiste Uhr eine um 300 Nanosekunden kleinere Zeit an. Die Forscher hatten laut dem TU-Forscher "damit bewiesen, dass man mit Bewegung Zeit beeinflussen kann".

Müller weist allerdings auf praktische Probleme bei Zeitreisen in die Zukunft hin, die zumindest mit der auf absehbaren Zeit für die Menschheit verfügbaren Technologie nicht ohne Weiteres lösbar sind. Eines es davon ist die für Zeitreisen nötige Geschwindigkeit. „Wir bräuchten dafür annähernd Lichtgeschwindigkeit und das ist eine Milliarde Kilometer pro Stunde.“

Die Raumkapsel könnte zu schwer werden

Um den so entstehenden Druck abzufedern, müsste man eine Raumkapsel mit Blei auskleiden. „Aber wenn man das macht, wird die Raumkapsel schwerer – das ist wiederum ungünstig, um sie auf eine hohe Geschwindigkeit zu beschleunigen“, sagt Müller. Es sei „schwierig“, die nötige Geschwindigkeit irgendwann einmal zu erreichen.

Allerdings blieben Zeitreisende nicht folgenlos. Würde ein Zwilling mit einem Raumschiff, das vier Fünftel der Lichtgeschwindigkeit erreicht, auf den Stern Proxima Centauri geschickt werden und nach der Landung sofort wieder auf die Erde zurückkehren, würde er unterschiedlich schnell altern als sein Bruder.

Aus der Sicht des Reisenden wären nur sechs Jahre vergangen. Aus der Sicht des auf der Erde verbliebenen Zwillings aber zehn Jahre. „Der im Raumschiff reisende Zwilling ist also bei seiner Rückkehr vier Jahre in die Zukunft geflogen“, erläutert der Astrophysiker.

Auch könnte der Zeitreisende sich selbst begegnen - eine gruselige Vorstellung. Zumindest dann, „ wenn Sie wieder in die Gegenwart zurückkommen und dort ihr Leben fortsetzen“.

Zur Startseite